Laub und Rinde

Größere Bäume mit Silhouette-Material sind mittlerweile ein alter Hut. Neuerdings gibt es hier auch Laub für kleine Baugrößen. Mager schaut’s allerdings bei den Stämmen aus, hier hilft der Eigenbau.

Warum nicht auch in 1:160?

Silhouette ist mittlerweile schon ein fester Begriff in der Modellbau Szene. Modellbauer wie Joseph Brandl zaubern Landschaften im Modell, wo man schon genauer hinkucken muss um die Bilder nicht als Vorbild zu verkennen. Die Materialen von Silhouette tragen hier wesentlich zum perfekten Eindruck bei, besonders das Laub der Bäume wirkt sehr natürlich.

Für die kleinere Bahn sind die 1:87 Belaubungsmaterialien jedoch etwas zu grob. Neuerdings gibt es das Material aber auch für N und Z. Mit etwas Geschick kann man nun auch hier schöne Bäume erschaffen.

Und der Stamm?

Allerdings ist die Auswahl an geeigneten Rohlingen – sprich Baumstämmen – recht begrenzt. Kunststoff Rohlinge sind fast schon zu grob und eigenen sich nur bedingt als Basis für filigrane Solitär-Bäume. Heki hat Baumsets im Programm, aber die Auswahl ist sehr beschränkt.

Die Methode der Altvoderen, Rohlinge aus Draht zu drehen erscheint auf den ersten Blick recht mühsam, und ist es oft auch. Es gibt jedoch mehrere Methoden die mit unterschiedlichem Aufwand das gleiche Ziel verfolgen. Hier möchte ich eine Variante vorstellen, die gute Ergebnisse liefert und nicht so schnell ermüdet.

Mit einem simplen Trick lässt sich auch eine recht natürlich wirkende Rinde gestalten und so entstehen mit vertretbarem Zeitaufwand schöne Solitär-Bäume, die auch einem prüfenden Blick aus der Nähe stand halten!

Rationell statt Monoton

Die bekannteste Methode ist auch diejenige, bei der man am schnellsten die Geduld verliert. Ein Büschel Drähte wird zusammengebunden und dann von unten nach oben verdrillt. Das ganze dauert relativ lang, da man immer durch die noch übrigen oder schon verdrillten Drähte behindert wird. Nee, dat isses nich wirklich…

Nach langem Suchen konnte ein besserer Ansatz mit mehr Potential gefunden werden. Die Methode funktioniert genau anders herum. Zunächst werden die Äste gefertigt, dann aus den Ästen größere Teilstämme gedreht. Mehrere Teilstämme geben einen ganzen Stamm. Zum Schluss gibt es dann noch eine Wurzel und übrig bleibt ein Steckfuß.

Das ging zu schnell? Kein Problem, die folgende Schritt-für-Schritt Anleitung sorgt für Durchblick nach dem Motto: Denn ein paar Bilder sagen mehr als tausend Worte.

Material aus der Bastelkiste

Die Materialien für den Stamm aus Draht sind allesamt günstig zu bekommen. Als Draht eigenen sich die Kupferdrähte aus Elektrokabeln mit einem Durchmesser um etwa 0.4mm. Dünnere Drähte werden instabil, stärkere Drähte ergeben dickere Stämme. Aber im Prinzip geht alles was man drillen kann!

Von den Drähten werden zwei Längen benötigt. Lange Stücke mit etwa 12 cm ergeben etwa 10cm hohe Stämme. Für die Äste werden einige der langen Drähte noch in kurze Stücke mit etwa 3-4cm Länge geteilt. Da der Stamm verlötet werden soll, ist ein leistungsstarker Lötkolben und passendes Lötzinn nötig. Theoretisch geht es auch ohne löten, ist dann aber nicht so gut fixiert.

Die Rinde besteht aus sehr feinem Sand bzw. Staub. Am billigsten ist selber sieben aus normalem Sand oder Erde. Von ASOA gibt es das sog. Drainagematerial, diese ist aber recht teuer. Beimischungen von Pigmenten erlauben verschiedene Tönungen. Weiter werden noch Holzleim und matte, braune Farbe aus der Sprühdose (wahlweise Air-Brush) benötigt.

Schritt 1: Äste drillen

Zunächst gilt es, einen Trick der Natur nachzuahmen. Ein Baum verzweigt sich immer weiter, bis nur noch ein dünner Ast übrig bleibt. Die Natur versucht so, die Blätter möglichst weit auszubreiten und möglichst viel Sonnenlicht einzufangen. Die dickeren Äste müssen dabei später das Blattwerk halten, aber dürfen auch nicht zu massiv ausfallen um im Winter nicht zu von der Schneelast in Mitleidenschaft gerissen zu werden.

Würde man nun einfach einen Ast aus wenigen Drähten zusammen drillen, hätte man nur wenige Gabelungen, aber schon einen recht massiven Ast. Auf der anderen Seite dürfen unsere Drähte nicht zu dünn sein, damit das Gebilde später auch stabil genug ist.

Mit einem Trick kann man aber die Anzahl der Gabelungen erhöhen:

Für einen Baum braucht man etwa 10-14 solcher Äste, je nach gewünschter Höhe und Dichte. Am besten macht man gleich das Material für einige Bäume, dann hat man das schlimmste schon hinter sich. Das ganze geht auch prima beim Fernsehen, ist sozusagen „Wohnzimmertauglich“!

10-14 Äste ergeben einen Baum
10-14 Äste ergeben einen Baum

Schritt 2: Zusammensetzen

Jetzt nimmt man 2-6 „Äste“ und verdreht diese zu einem „dicken Ast“. Dabei fängt man mit zwei Ästen an, nimmt dann den dritten dazu usw. Meist reicht ein Hauptstamm, ein bis zwei Nebentriebe und vielleicht noch ein paar einzelne Äste als Lückenfüller.

Aus diesen Teil-Stämmen wird nun der Hauptstamm zusammengesetzt. Solange man darauf achtet, das die Äste einigermaßen gleichmäßig vom Stamm abgehen, kann man dabei eigentlich nicht allzu viel falsch machen.

Am unteren Ende des Stammes lassen sich nun aus den übrigen Drähten sowohl die Wurzeln drehen als auch der Spieß zur späteren Befestigung herstellen.

Schritt 3: Verlöten

Über diesen Schritt kann man streiten, aber bei Kupferdraht ist das eigentlich eine einfache Sache. Zum einen bekommen die Äste durch das Verlöten eine gewisse Stabilität. Zum anderen gehen die verdrehten Drähte auch nicht mehr auseinander.

Bei den Verzweigungen der dickeren Äste ist ein kleiner Lötkolben recht schnell am Ende, hier darf es etwas mehr Hitze sein. Der Stamm wird dabei auch recht heiß. Es ist ratsam den Rohling in eine „Dritte Hand“ oder einen kleinen Schraubstock zu klemmen, das Arbeiten fällt dann um einiges leichter. Zu lange Drähte knipst man mit dem Seitenschneider ab. Der Stamm bekommt hier schon die künftige Form.

Schritt 4: „Füllen“

Damit die einzelnen Drähte des Stammes später nicht als solche auffallen, bekommt der Baum einen Überzug aus Holzleim. Dazu werden ein paar Tropfen Leim auf dem Stamm verteilt, so das die Vertiefungen und Löcher gefüllt sind. Ein Zahnstocher hilft dabei, den zähen Leim auf dem Stamm zu verteilen.

Solange der Holzleim noch nass ist, streut man nun die erste Ladung Staub über den Stamm. Der feine Sand füllt den Leim und deckt die Konturen ab. Gleichzeitig erhält man eine feine Struktur. Mit dem Zahnstocher lassen sich hier noch kleinere Korrekturen vornehmen. Das Ganze lässt sich nun beliebig of wiederholen. Wenn man mit dem Ergebnis zufrieden ist, darf der Stamm erst mal in Ruhe trocknen.

Schritt 5: Grundieren und Finish

Nach eigen Versuchen hat sich eine recht simple Methode heraus kristallisiert, wie man in einem letzten Arbeitsgang zum fertigen Baumstamm kommt. Zunächst wird der Stamm satt aber gleichmäßig mit dunkelbrauner Farbe aus der Sprühdose eingesprüht. Es sollte sich einerseits keine Tropfen bilden, andererseits darf die Farbe für den nachfolgenden Schritt nicht zu früh abtrocknen.

Dann wird die feuchte Farbe sofort mit der Sand-Staub-Pigment-Mischung bestreut. Möglichst von allen Seiten und vor allem auch von oben und unten wird der Stamm mit dem Staub traktiert damit keine Stellen frei bleiben. Theoretisch kann man auch diesen Schritt beliebig oft wiederholen, solange bis das Ergebnis überzeugt.

Ist die Farbe dann angetrocknet, kann man den überschüssigen Staub abklopfen. Die Äste sollten nun nach Möglichkeit nicht mehr berührt werden. Die dünne Lackschicht ist empfindlich. Kleinere Schadstellen lassen sich aber mit etwas Farbe ausbessern.

Zur Aufbewahrung der fertigen Stämme hat sich ein Schaum-Block für Blumengestecke bewährt. Diese findet man in den Gartenabteilungen der Baumärkte.

Schritt 6: Belauben

Aus dem Silhouette Belaubungsmaterial werden mit einer kleinen Schere kleine, trapezförmige Stücke herausgeschnitten. Dabei sollten die sichtbaren Fasern wie gespreizte Finger auseinandergehen. Von unten beginnend bekommt der Baum jetzt sein Laub. Ein kleiner Tropfen Kleber wird auf das Drahtende getupft und ein Stück Laub aufgesteckt.

Bewährt hat der Vielzweckkleber von Tesa. Dieser lösemittelfreie Kleber benötigt etwas länger zum Abtrocknen, ist aber später kaum zu sehen. Am Anfang ist der UHU Alleskleber möglicherweise auch eine gute Wahl, da er schneller trocknet und die Arbeit so erleichtert. Allerdings neigt dieser Kleber dazu, Fäden zu ziehen und ist auch nicht so unauffällig.

Das Belaubungsmaterial in kleine Stücke Teilen und Aufkleben.
Das Belaubungsmaterial in kleine Stücke Teilen und Aufkleben.
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