Das Burgmodul: Gipserei (Teil 5)

Mauern und Felsen lassen sich naturgetreu aus Gips erstellen. Keine Scheu! Gravieren und schnitzen ist leichter als man denkt …

Strukturierte Wand

Gips und ähnliche Spachtelmassen sind sehr gut geeignete Materialien zur Nachbildung von Gesteinen. Doch viele Modellbahner scheuen vor der Methode zurück. Dabei ist es einfacher als es den Eindruck hat!

Für die Mauer braucht es zunächst einen geeigneten Untergrund. Sperrholz eignet sich grundsätzlich da es die Feuchtigkeit gut verträgt. Die glatte Oberfläche sollte aber vorab etwas aufgeraut werden. Hierzu genügt es mit der Säge einige wenig tiefe Schnitte kreuzweise in die Fläche zu sägen. In die dadurch entstanden Furchen kann sich die Spachtelmasse gut verankern. Damit der Untergrund dem Gips das Wasser nicht zu schnell entzieht, wird dieser mit stark verdünntem Tiefgrund behandelt. Möglich wäre auch, die Fläche lediglich zu wässern. Eine Versiegelung der Oberfläche mit Lack ist nicht ratsam!

Als Werkzeug eignen sich spitz geschliffene Nägel ebenso wie Besteck aus der Zahnarztpraxis. Letzteres bekommt man mittlerweile häufig auf Messen und Märkten bei den Scherenhändlern. Auch wenn das dann vielleicht etwas Überwindung kostet, so sind einige dieser Gerätschaften ausgezeichnet geeignet, um tiefe Furchen durch den Gips zu ziehen.

Für die horizontalen Linien ist ein Anschlag wichtig. Dies kann ein Lineal sein, oder auch einfach nur ein Stück Holz an dem das Werkzeug entlang geführt werden kann. Ausgenommen sind Natursteinmauern ohne klare Höhenlinie. Sollen größere Steine die Fläche auflockern, muss die Höhenlinie gelegentlich unterbrochen werden, gegebenenfalls auch mehrfach übereinander. Dann können die Steine vertikal graviert werden. Dabei von oben nach unten arbeiten und immer wieder mit dem Pinsel die Brösel entfernen und begutachten. Zuviel der Pinslerei sollte vermieden werden, um die feinen Gravuren zu erhalten.

Ist die Spachtelmasse ausgehärtet, können die Gravuren noch feiner nachgearbeitet werden. Dabei werden jedoch lediglich die Rillen von den Bröseln des ersten Durchgangs gesäubert. Soll eine ausgehärtete Fläche nochmals graviert werden, ist es wichtig, sie vorab mit der Blumenspritze ordentlich zu wässern. Dann fällt das Arbeiten deutlich leichter und der Gips neigt weniger zum brechen.

Vor der Burg

Viele Gesteine haben eine klare Richtung, typische Abbruchkanten und Rissbildung. Meist sind so für eine bestimmte Region recht markante Formationen entstanden, die manchmal ganze Landstriche prägen. Für den Anfang sollte man sich zunächst von der Vorstellung lösen eine bestimmte Gesteinsart nachbilden zu wollen. Im Vordergrund steht die Handhabung der Werkzeuge und der Umgang mit dem Material. Zumal man ja von der These ausgehen kann, dass es genau die gerade entstandene Felsstruktur irgendwo so ähnlich gibt.

Als Untergrund eignet sich gut Aluminium-Fliegengitter. Dieses ist dicht genug, dass der Gips nicht sogleich davonläuft, stabil genug um dem Gips als Armierung zu dienen und damit ein Durchbrechen bei der Landschaftsgestaltung zu verhindern. Außerdem rostet das Alugitter nicht und färbt den Gips nicht da, wo man es gerade nicht haben will.

Ebenfalls geeignet sind Aufbauten aus Styrodur. Hierbei stapelt man Teile des Material aufeinander und verklebt diese mit einem geeigneten Leim (Weißleim, UHU-Por). Die grobe Form der späteren Struktur sollte sich schon erkennen lassen, jedoch muss genug Luft für den Gipsüberzug bleiben. Beim Auftragen des Gipses werden die markanten Teile der Felswand noch weiter herausgearbeitet. So müssen später nur noch die feineren Strukturen graviert werden. Furchen, Felsspalten, Felsnasen sind jetzt schon erkennbar.

Ein guter Zeitpunkt um mit der Schnitzerei zu starten, ist etwa eine halbe bis ganze Stunde nachdem der Gips angezogen hat. Direkt nach dem Anziehen ist der Gips noch zu weich und verschmiert beim bearbeiten. Der Gips sollte auch frisch sein, alter Gips ist ebenfalls weich und die Kanten brechen bzw. bleiben nicht scharfkantig. Kleinere Wege werden direkt zwischen die Felsen modelliert und die Masse mit dem Spachtel glattgezogen. Damit der Weg nicht zu steil wird, ist eine kleine Kehre nötig, die sich dekorativ auf einer Felsnase befindet.

Aller Fels ist bunt

Für die Colorierung von Felsen und Mauerwerk gibt es eine ganze Reihe von Methoden. Um die feinen Strukturen nicht wieder zu verschmieren verbietet sich der Einsatz von dickflüssigen Abtönfarben. Viel besser geeignet sind Lasurfarben oder stark verdünnte Acryl-Farben.

Doch zunächst muss der Untergrund vorbereitet werden. Der Gips saugt sehr stark und würde der Farbe sofort das Bindemittel entziehen. Eine stark verminderte Haftung wäre die Folge. Um dem vorzubeugen wird verdünnter Tiefgrund aufgepinselt. Dabei auch die tiefen Stellen nicht vergessen! Jede Stelle muss behandelt werden, die Menge selbst ist nicht so entscheidend. Glänzende Stellen verraten, wo bereits genug Tiefgrund aufgebracht wurde.

Eine einfache Lasur besteht aus den Revell Aqua Farben schwarz und etwas lederbraun, verdünnt mit Spiritus. Dabei muss der Grad der Verdünnung an einem später nicht sichtbaren Bereich getestet werden. Die Lasur darf dabei durchaus etwas kräftiger ausfallen, der Gips hellt spürbar auf nach dem Trocken. Schattierungen sind hier durchaus erwünscht. Die dunkle Lasur betont die Gravur.

Für bestimmte Tönungen kann ein zweistufiger Farbauftrag vorteilhaft sein. Dabei zunächst die helle Lasurfarbe aufbringen (beispielsweise ocker oder sandsteinfarbene Tönung). Dann nach dem Trocknen der ersten Schicht mit schwarzer Lasur die Tiefe erzeugen. Auch hier den Grad der Verdünnung zunächst an einem Probestück testen. Abschließend kann noch eine Schutzschicht aus farblosem, mattem Lack aufgebracht werden. Aber dies ist nicht unbedingt nötig.

Meist findet man nach einiger Zeit noch vergessene Stellen die sichtbar werden, wenn die Beleuchtung von einer anderen Seite kommt. Hier einfach etwas Lasur anmischen oder aufheben und an der Stelle mit einem kleinen Pinsel antupfen. Das geht auch problemlos selbst wenn schon begrünt wurde.

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