Die fertig digitalisierte BR 55 im schweren Güterverkehr

A bisserl g’fräst muss sein…

Die Fleischmann BR 55 ist leider keine Lok, in die man einfach einen Decoder einstecken kann. Es gibt auch keinen wirklich freien Platz. Bei der „Tenderlösung“ muss man fräsen, genau das hatte mich aber eh schon interessiert. Dafür kommt man mit einem zusätzlichen Kabel zwischen Tender und Lok aus. Und weil mir ein lieber Spassbahner-Kollege seine kleine Proxxon-Fräse geliehen hatte, konnte ich quasi nicht mehr zurück…

Mit viel Gefühl

Die richtige Drehgeschwindigkeit und gute, scharfe Fräser sollten es schon sein. Ein bisserl Öl schadet auch nicht. Der Vorschub sollte mit Gefühl erfolgen, damit sich die Fräse als auch der Tender nicht über die Maßen erhitzen und der Lack Schaden nimmt.

MDF-Streifen sollen den Lack mechanisch schützen. Leider hat das nicht ganz so hundert prozentig funktioniert und ein paar Nieten haben Farbe verloren. Das ließ sich mit etwas Farbe jedoch schnell wieder reparieren, zumal die Lok später auch mal gealtert werden soll.

Die benötigte Fläche hängt vom verwendeten Dekoder (hier Döhler&Haas DH10C) ab, ich habe recht großzügig etwa 12×16,5×1,5 mm weg gefräst.

Dann gilt es die Lok weiter zu zerlegen und zu entfernen, was nicht mehr benötigt wird. Die Spule und der Kondensator entfielen ersatzlos, die beiden Kabel zum Kessel wurden für den nächsten Schritt vorsichtig abgelötet.

Neben dem roten Kabel musste ein zweiter Schlitz in den Kunststoff geschnitten werden, damit man das Kabel zur vorderen Beleuchtung legen kann. Dies gelang schnell und einfach mit einer Trennscheibe.

Das Blech, das den Kontakt der Leuchte mit den Kontaktblechen verbindet, lässt sich ebenfalls mit der Trennscheibe unterbrechen. Dort wurde ein rotes Kabel angelötet und etwas in Form gebogen, damit es an dem Zapfen vorbeigeht, der den Kessel mit dem Fahrwerk verbindet.

Hier ist es wichtig auf die Feder der Kurzkupplung zum Tender zu achten, die schnell auf und davon fliegt. Die filigranen Bleche sind ebenfalls schnell verbogen und es sollte am Ende geprüft werden, ob sie noch alle federnd anliegen und die grundsätzlich gute Stromabnahme weiter gewährleistet ist.

Die Unterseite des Führerhauses musste auch noch etwas mit der Trennscheibe bearbeitet werden, damit sich der Deckel wieder aufsetzen ließ. Tesafilm und Doppelklebeband halten den Decoder auf dem Motor fest, dann konnten alle Kabel gekürzt und angelötet werden.

Herztransplantation

Grundsätzlich gilt, dass die in Fahrtrichtung linken Kontakte mit dem schwarzen Kabel verbunden werden, und die Motorseite, die mit der linken Seite verbunden war, an das graue Kabel angeschlossen wurden. Kurz: Links = schwarz = grau, Rechts = rot = orange. Zumindest in der Theorie.

Das weiße Kabel wurde an der Seite mit dem roten verbunden, das von der vorderen Leuchte kommt. Auf der rechten Seite wurde das Kontaktblech zum Motor abgeschnitten und das Kabel direkt ab das Bürstengehäuse angelötet. Sicherheitshalber sollte man vorab prüfen, dass beide Bürsten in der Luft hängen und keine Verbindung zum Gehäuse haben.

Der erste Test sollte auch immer auf einem abgesicherten Programmier-Gleis erfolgen. Falls sich doch irgendwo ein Fehler eingeschlichen hat, erhöht das die Überlebenschance des Decoders beträchtlich.

Auf den Decoder wird oben ein Streifen Tesa aufgeklebt, der die Kontakte und Anschlusskabel gegen den Tenderdeckel isoliert. Dieser passte auch wunderbar ohne Klemmen drauf, sodass keine Nacharbeit zu erwarten stand.

Die Höchstgeschwindigkeit ist wie bei den meisten Fahrzeugen deutlich zu hoch, mit CV5=30 fährt die Maschine eigentlich ganz ordentlich und erreicht eine ausgemessene Höchstgeschwindigkeit von 58 km/h, die etwas über der des Vorbilds liegt. Anfahren und Bremsen macht bei mir die Software, daher stelle ich die Werte meist moderat ein (CV3=5, CV4=2). Die Kennlinie (CV48=2) habe ich lieber gerade, sonst ist der Kick am oberen Ende zu auffällig. Die Regelungsvariante bleibt auf Standard (CV50=2).

Fast perfekt

Zwei kleinere Probleme gab es dann doch. So war das Laufgeräusch mit Gehäuse auffällig lauter als ohne und der Tender relativ schnell warm. Vielleicht doch zu wenig ausgefräst?

Eingehende Untersuchungen brachten dann ans Licht: Die Schnecke liegt etwas knapp am Lagerbock und bei angezogenem Gehäuse schleift das unter Umständen. Fürs Erste habe ich den Motor etwas nach links gedrückt und die Schraube des Tenders nicht ganz angezogen. Das half schon ein wenig. Mit sehr kleinen Streifen Tesafilm unterhalb der Lager konnte ich der Schnecke zu mehr Luft verhelfen, damit fährt die Lok nun einigermaßen geschmeidig.

Weiter leuchtete in der Praxis trotz richtiger Farbzuordnung die Leuchte im Analogmodus nicht. Abhilfe schafft CV51=4 zu setzen, dadurch werden die Anschlüsse digital gedreht und alles leuchtet wie gewünscht.

Einem Einsatz auf der digitalen Anlage steht nun nichts mehr im Weg!

Die fertig digitalisierte BR 55 im schweren Güterverkehr
Die fertig digitalisierte BR 55 im schweren Güterverkehr
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