Airbrush für Modellbahner: Teil 2 – Der Kompressor

Beim Anfreunden mit dem Thema Airbrush stellt sich direkt nach der Pistole die Frage nach dem passenden Lufterzeuger. Die Auswahl ist dank Fernost heute üppiger den je und dann gibt es ja noch die Dose…

Am Anfang war die Druckluftdose

Seinerzeit hab ich das auch ausprobiert. Weil es im ersten Moment günstig war, damals noch ein paar Mark für so ne Dose. Für ein paar Minuten in denen ich es nicht mal geschafft hatte irgendeine Farbe aus dem Becher zu bekommen, war es schon nicht mehr so günstig sein Taschengeld geopfert zu haben. Zum einen war der Druck kaum zu regeln, zum anderen ist das Ding dann auch nach ein paar Minuten steten Druckverlustes schneller leer als man dachte. Hat das jemals jemand zufriedenstellend benutzt, um damit ein Modell zu lackieren? Ich habe so meine Zweifel.

Gut, damals hatte ich keine Ahnung was ich da mache und vielleicht, vielleicht kann man da mit einer besseren Hardware noch was raus holen. Für den unglaublichen Notstand, dass kein Strom da ist und man unbedingt noch was brushen muss…. Nein. Das taugt nix. Nächster Versuch!

Autoreifen

Die Verzweiflung war schon recht groß, aber es lagen noch abgefahrene Reifen in der Garage (zumindest bildete ich mir damals ein, dass die jetzt keiner mehr brauchen würde) und auch damit sollte man brushen können. Die Adapter hatte Revell ja verfügbar und soweit ich mich erinnere sogar ins Set gepackt.

Grundsätzlich funktioniert das in etwa so gut wie das mit der Dose, die Luft reicht noch deutlich weniger weit. Allerdings kann man den Reifen ja immerhin wieder aufpumpen. An der Tanke, den Reifen zuvor aufs Fahrrad gewuchtet, dann ne halbe Stunde durchs Dorf… Nein. Die Reifen waren leer und immer noch keine Farbe auf dem Modell. Dafür hatte ich wohl das Glück, dass es wirklich alte Reifen waren…

Baumarkt-Kompressor

Die Rettung für den Anfang kam in Form eines handelsüblichen Kompressors der in keinem Autobastlerheim fehlen darf. Die einfachste Variante ist meist mehr als weniger laut, aber dafür in der Regel für unter 100 EUR im Heimwerkerdevotionalienhandel zu beziehen. Adapter auf die gängigen Größen bekommt man heute im einschlägigen Online-Handel, meiner passte auf die Revell Schläuche und war nach ein wenig Fummelei und Gebastel auch irgendwie halbwegs dicht.

Die meisten Geräte haben direkt auch einen ausreichend tauglichen Druckminderer, die 6 – 8 bar sollten auf etwa 1,8 – 2,5 bar reduziert werden. Einen Abscheider kann man auch extern montieren. Der meist relativ große Drucktank erlaubt ein einigermaßen schönes Spritzbild. Ungefähr bis zu dem Zeitpunkt AN DEM DER KOMPRESSOR ANSPRINGT UND MAN VOR SCHRECK FAST DIE PISTOLE FALLEN GELASSEN HÄTTE!

Da wären wir dann auch beim Problem der Sache. Diese Geräte sind in der Regel sehr robust, aber meist auch recht laut, auch der kleine im Bild oben, der als Ersatz für das erste Modell dient und schon recht handlich daherkommt. In jedem Fall sehr viel lauter als man es eigentlich in einer Wohnung haben will.

Zu allem Überfluss wird der Tank immer dann nachgeladen, wenn man es eigentlich grad nicht so direkt brauchen kann, und das merkt man auch am Druck. Selbst wenn man es dann irgendwann schon ahnt, dass es gleich los geht, zuckt man immer noch zusammen. Sofern man nicht eine Druckleitung vom Keller ins Dachgeschoss legen kann ist das leider auch keine Dauerlösung.

Am Ende der Reise

Am Ende der Geschichte stand also dann doch ein Sil-Air 20A von Unholzer-Airbrush. Ein öl-gefüllter Kompressor mit allem Drum und Dran (Abscheider, Druckminderer, Manometer, extra-leise Abschaltung, Tank). Das Laufgeräusch mit weniger als 40 dB hört man eigentlich nicht, nur ein leises Seufzen beim Abschalten. Damit macht das Arbeiten Spaß und er tut auch nach inzwischen über 15 Jahren klaglos seinen Dienst.

Neben dem ordentlichen Preis im gehobenen Mittelfeld ist der einzige Wermutstropfen das deutliche Gewicht. Für den mobilen Einsatz ist er eigentlich zu schwer. Die massive Bauweise und das Öl im Kompressor fordern ihren Tribut, lassen aber auch keine Zweifel an der Wertigkeit und Langlebigkeit des Gerätes.

Sag mir was du brauchst!

Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl dafür, was ein Kompressor für den Airbrush-Einsatz können muss. Daraus habe ich hier eine kleine Liste von Kriterien zusammengestellt, die ein Kompressor erfüllen sollte:

  • Druckminderer, Manometer, einstellbarer Arbeitsdruck 1,5 – 3 bar
    Je nach Farbe und Düsengröße ist der optimale Druck nicht immer gleich. Beispielsweise bekommt man bei den Acryl-Farben von Vallejo mit niedrigerem Druck um 1,8 bar meist bessere Ergebnisse. Ohne Manometer lässt sich das kaum überprüfen.
  • Pulsierungsfrei
    Bei feinen Linien und Verläufen sollte die Luft gleichmäßig und ohne Pulsieren verfügbar sein. Bei den meisten Kompressoren sorgt ein Tank in Verbindung mit dem Druckminderer dafür, dass der Druck konstant bleibt.
  • Flüsterleise
    Auch wenn man nicht im Wohnzimmer arbeiten will, ist ein lauter Kompressor auf Dauer keine Option. Das gilt nicht nur für das Laufgeräusch, auch die Abschaltung sollte nicht zu laut sein. Kleiner 50dB oder besser unter 40dB.
  • Genug Reserve für durchgehendes Arbeiten, Abschaltautomatik, Sicherungen
    Die Kompressoren haben üblicherweise unterschiedliche Laufzeit-Limitierungen. Es sollte möglich sein, ohne gröbere Zwangspausen zu arbeiten. Arbeiten sollte möglich sein, ohne dass man sich um die Luft kümmern muss oder Gefahr läuft, das Gerät zu beschädigen.
  • Abscheider
    Die Luft aus dem Kompressor sollte keine Verunreinigungen enthalten. Öl und Wasser haben in der Farbe nichts zu suchen. Bei den meisten Geräten ist das ein Kombigerät mit Druckminderer und Manometer.

Die Billig-Heimer

Im Wühltisch der Discounter tauchen immer wieder mal günstige Airbrush-Sets auf. Üblicherweise haben diese keine Druckbehälter und keine Druckminderer um den Arbeitsdruck einzustellen. Die Membranen der Druckerzeuger erzeugen damit einen mehr oder weniger pulsierenden Druck an der Pistole. Das schlägt sich natürlich auch im Druckbild nieder.

Für die flächige Lackierung kommt man damit unter Umständen aus, solange man keine feinen Linien oder Verläufe brushen will und an das Ergebnis keine höheren Ansprüche stellt. Am Ende ist das Geld aber doch eher schlecht angelegt und es droht der Frust, wenn es dann doch nicht funktioniert. Davon ist eher abzuraten.

Eine Empfehlung für die Mittelklasse?

Heute ist das Angebot im mittleren Segment deutlich besser ausgebaut, nicht zuletzt wegen der Herstellung in Fernost. Man bekommt durchaus praxistaugliche und dabei handliche Kompressoren (z.B. Wiltec, Sparmax) welche einigermaßen pulsierungsfrei den zum Airbrushen notwendigen Druck abliefern.

Auch wenn ich selbst an dieser Stelle keine eigenen Erfahrungen vorweisen kann, kenne ich Kollegen die hiermit zufrieden sind. Hier helfen Bewertungen, einschlägige Testberichte und der Rat von Experten, einen Fehlgriff zu vermeiden. Tendenziell würde ich mich eher für ein Gerät mit Tank entscheiden, damit der Kompressor nicht durchgehend laufen muss.

Die seit Jahren erhältlichen Profigeräte haben jedoch weiter ihre Berechtigung. Sie sind noch leiser im Betrieb und gleichmäßiger im Druck, laden unauffällig und seltener nach. Einen Kompressor wie den Sil-Air 20A oder den Euro-Tech 20A (von Hansa als aero-pro / HTC 20A) sollte man durchaus in Betracht ziehen und den Gebrauchtmarkt sondieren.

Advertisements

2 Gedanken zu “Airbrush für Modellbahner: Teil 2 – Der Kompressor

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s