Über den Teich

Schon seit einiger Zeit gibt es die Kühlversion der Fährbootwagen von Modellbahn Union als fein detailliertes N-Modell. Wenig Angriffsfläche für Zurüster, doch zumindest gegen die Schachtelfrische können wir was tun!

Leider gibt es von diesen Wagen kaum aussagekräftige Farbbilder, daher müssen einige Annahmen getroffen werden. Ältere Kühlwagen entstanden auf der Basis der vorhandenen geschlossenen Güterwagen, welche mit einer besseren Isolation und Lüftern zur Förderung der Luftzirkulation versehen wurden. Zum Kühlgut kam Wasser- und später Trockeneis, um die Temperatur zu senken. Um ein unnötiges Aufheizen durch die Sonneneinstrahlung zu verhindern, wurden die Fahrzeuge zumeist in hellen Farben gehalten. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass Fahrzeuge in der Epoche 3 und frühen Epoche 4 noch sehr deutliche Spuren des Dampflokbetriebs aufwiesen. Im Betrieb zeigen sich daher die ursprünglich hellen Dächer jedoch in mehr oder weniger deutlich verrußtem Zustand, während die Kastenwände im Gegensatz zu den Dächern offensichtlich öfter mal gereinigt wurden. Andere typische Ablagerungen entstehen durch Bremsabrieb und Dreck im Gleisbett, welche durch den fahrenden Zug aufgewirbelt werden und sich am Fahrgestell absetzen. Schmierfett sorgt an bestimmten Stellen im Bereich der Puffer und Achslager für weitere Patina.

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Zerlegung

Zunächst gilt es den Wagen soweit wie nötig zu zerlegen, was sich bei diesem Wagen recht einfach bewerkstelligen lässt. Das Dach ist mit sechs Haken am Korpus befestigt, kann jedoch leicht nach oben abgezogen werden. Etwas kniffliger ist das Abheben des Fahrwerks, die Haken sitzen mittig unter dem Kupplungshaken. Darum mit einer sehr spitzen Pinzette seitlich unter die Pufferplatte fahren und vorsichtig abhebeln. Die Kulisse kann im Rahmen verbleiben, es besteht keine große Gefahr, dass die Federn verloren gehen. Mit etwas Klebeband kann verhindert werden, dass allzu viel Farbe die Funktion der Kulisse beeinträchtigt. Dafür eignet sich Tamiya Abdeckband recht gut, das in verschiedenen Breiten erhältlich ist.

Davon ausgehend erhält der Wagen zunächst eine Grundierung in hellem Grau. Mit einer spitzen Kreuzpinzette kann das Dach an einem der mittleren Zapfen gehalten werden. Der Airbrush wird mit den Farben XF 20 und XF 19 etwa im gleichen Verhältnis, sowie etwas Revell Airbrush Cleaner geladen und in dünnen Schichten wiederholt auf das komplette Dach gespritzt. Im zweiten Durchgang kommt eine Rußschicht auf das Dach. Die Farbe besteht aus XF 64 und XF 01 und deutlich mehr Cleaner. Je nach gewünschtem Zustand wird diese nun mittig auf dem Dach aufgebracht, so dass die Längsseiten eher weniger Farbe abbekommen.

 

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Rußiges Dach und rostiges Fahrgestell

Auf dem Fahrgestell findet sich beim Vorbild meist eine dicke Schicht aus Staub und Bremsabrieb. Diese kann man mit stark verdünntem Braun nachbilden. XF-64 ist ein guter Ausgangspunkt, von hier kann man gut variieren mit XF-01 und XF-03. Die bedruckten Seiten sollen nur wenig Farbe abbekommen.

Auch die Achsen sollten etwas Farbe abbekommen, insbesondere die Radscheiben außen und innen. Damit die Lauffläche frei bleibt, sollte diese etwas abgedeckt werden, vor allem, wenn die Wagen über Widerstands-Achsen die Rückmeldung auslösen sollen. Michael Siemens fand heraus, dass dies sehr einfach mit Dichtungsringen der Größe 5×2 mm zu bewerkstelligen ist, die man einfach auf die Lauffläche aufzieht. Die Farbe ist unkritisch, im Zweifel kommt derselbe rotbraune Ton zum Einsatz wie zuvor schon für das Fahrwerk. Die Farbe auf den Achsspitzen ist zumeist unproblematisch, da sie auf der bewusst glatten Oberfläche kaum haftet. Beim Einbau der Achsen gilt es daher, auch vorsichtig zu sein, ein Teil der Farbe auf dem Spurkranz wird später auch von selbst abgehen.

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Helle Seiten

Die Aufschrift der Fährbootwagen ist trotz Tampondruck gegenüber Revell Cleaner empfindlich und es dürfen nur wenig aggressive Lösungsmittel wie Feuerzeugbenzin für spätere Washing-Techniken verwendet werden. Damit bleibt ein sonst gerne angewandter Schritt außen vor und im ersten Durchgang wird der Korpus nur etwas aufgehellt. Dazu eine stark verdünnte hellgraue Farbe in den Airbrush geben, bestehend aus den Farben XF-20 und XF-02 sowie im Verhältnis 4:1 Revell Cleaner. Bereiche wie das Anschriftenfeld werden auch beim Vorbild öfter gereinigt und können gegebenenfalls abgeklebt werden. Anschließend wird der Wagenkasten vorsichtig etwas eingenebelt. Soll der Wagen nur wenig gealtert werden, genügt ein Farbauftrag mit mattem Lack, beispielsweise XF-86.

Für die weitere Alterung der Oberflächen eigenen sich sogenannte Washes sehr gut. Diese gibt es als Enamel-Wash auf Kunstharzbasis von verschiedenen Herstellern. Aus den bekannten Revel-Farbdosen und etwas Feuerzeugbenzin kann die Brühe ebenfalls angemischt werden. Für den Kühlwagen benötigen wir ein Braunschwarz, das es als „Dark Wash“ von MIG Produktion gibt oder aus den Revell Farben matt 08 und matt 84 angerührt wird. Mit dem Airbrush wird eine hauchdünne Schicht auf den Korpus aufgetragen, und mit Feuerzeugbenzin und einem Pinsel direkt von oben nach unten wieder abgewaschen. Dabei verdunstet das Benzin sehr schnell und es entstehen typische Ablaufspuren. Das Dach erfährt eine ähnliche Behandlung wie der Wagenkasten. Im Bereich der Lüfter lagert sich bedingt durch die Aerodynamik etwas Dreck ab, der dann wieder vom Regen abgewaschen wird. Mit einem flachen Pinsel kann man dann die Farbe quer zur Laufrichtung abziehen, um diese Spuren nachzubilden.

Ölfarben können ebenfalls als Washes verwendet werden und verhalten sich mit Feuerzeugbenzin verdünnt fast genau gleich wie Enamel Farben. Meist ist dann der Glanzgrad zunächst etwas höher, mattiert aber mit der Zeit nach, wenn sich das Öl verflüchtigt. Grundsätzlich wird das Modell nach dem Washing immer etwas abdunkeln, da sich durch die matte Oberfläche immer etwas Farbe festsetzt und sich auch mit viel Benzin nicht entfernen läßt. Dies ist ein gewünschter Effekt, zusammen mit dem Aufhellen im ersten Schritt stimmt am Ende die Gesamthelligkeit wieder.

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Noch ein paar letztes Details

Zum Schluss sollten noch ein paar Details herausgearbeitet werden. Die Bremshebel sind ab Werk schon lackiert. Bleiben noch die Puffer, die am Pufferteller meist einen deutlichen Fettfleck aufweisen. Etwas Cleaner entfernt die Rostfarbe. Fallweise kann man mit etwas glänzendem Klarlack den öligen Charakter unterstreichen. Auch der Stößel ist meist gefettet und lässt sich mit ein wenig schwarzer Ölfarbe absetzen. Damit ist der Wagen bereit für den Anlageneinsatz.

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