Airbrush für Modellbahner: Teil 4 – Die Maske

Einen wesentlichen Teil der Zeit beim Airbrushen verbringt man mit der Vorbereitung des Modells. Neben der Reinigung geht es dabei vor allem darum, Bereiche für den zukünftigen Farbauftrag von denen zu trennen, die keine Farbe abbekommen sollen: Abdecken du musst!

Dafür gibt es ein vielfältiges Angebot, allerdings helfen uns klassische Schablonen und Folien meist wenig weiter. Im Folgenden geht es darum, die Materialien vorzustellen, die insbesondere für die Alterung von Fahrzeugen verwendet werden.

Das bessere Malerkrepp

Grundsätzlich eignet sich Malerkrepp hervorragend. Gerade auch für großflächige Maskierung ist das glatte Band gut geeignet und preiswert obendrein. Bei günstigem Material in der Kassenschlange kann man durchaus mal einen Versuch starten, gleichbleibende Qualität bekommt man im Malerfachhandel. Das Band sollte sich leicht und rückstandsfrei wieder lösen lassen und trotzdem an den Kanten sauber anliegen.

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Von TAMIYA gibt es eine Auswahl von bekannt gutem Maskierband in verschiedenen Breiten und praktische Abroller dazu. Deren Vorteil ist vor allem, dass die Rollen geschützt sind und das Suchen nach dem Anfang entfällt. Üblicherweise schneide ich je nach Bedarf einige Zentimeter ab und schneide sie mit der Schere passend zu. Wo die Reste zwischendurch geparkt werden, sieht man schön am Bild oben. Der Wagen hat schon eine erste Schicht Farbe erhalten. Diese wurde im Bereich der Anschriften mit Isopropanol wieder größtenteils entfernt und die Bereiche abgedeckt. Diese Variante ist beim Vorbild durchaus öfter anzutreffen. Das Fahrgestell lässt sich bei dem Wagen selten ohne Beschädigung abnehmen, darum bleibt nur das Abdecken desselben.

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Geringere Breiten als 1 mm sind selten und meist relativ teuer. Abhilfe schafft hier ein scharfes Bastelmesser. Die auf einer entsprechenden Unterlage unter Zuhilfenahme eines Stahllineals geschnittenen Streifen können dann mit der Pinzette abgezogen und auf den Wagen appliziert werden. In diesem Fall geht es darum, die helle Farbe auf den Kesselringen zu behalten, indem dunkelbraune Farbe möglichst schmal entlang der Ringe aufgebrushed wird.

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Sind die Kesselringe sehr fein oder nur schwach angraviert, erfolgt die Maskierung umgekehrt. Der Abstand zwischen den Bändern ist eher noch unter einem halben Millimeter. Durch die versetzten Schweißnähte ist der Aufwand größer, aber durchaus sehr lohnenswert. An den Enden des Kessels steht die Maskierung ein wenig über und diese wurde nicht abgedeckt.

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Im nächsten Schritt wird das Maskierband mit etwas Überstand auf die Enden geklebt. Dadurch entsteht ein Verlauf auf der äußeren Kante des Kessels und die Kante bleibt hell. Dieser Effekt sowie die hellen Kesselringe finden sich recht häufig in verschiedenen Formen auf den Kesselwagen. Auch an den Kastenstützen der Güterwagen lässt sich dies beobachten.

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Mit einem sehr feinen Pinsel und etwas Isopropanol kann man die erhabenen Schweißnähte vorsichtig wieder etwas sichtbar machen. Das Fahrgestell konnte bei diesem Wagen von BRAWA zwar abgenommen werden, allerdings überleben die feinen Rastnasen das in der Regel nicht. Da hilft nur Sekundenkleber. Dafür ist das Brushen einfacher, hier wird nur rostbraune Farbe von TAMIYA aufgenebelt. Die Dreckspuren am Kessel lassen sich mit den Washes von Vallejo (dunkelgrau) und einem Pinsel erzeugen. Dann noch die Konturen mit dunkelbraunem Enamel Wash hervorheben. Rangiergriffe von FKS Modellbau und etwas Fett am Pufferteller (wiederum Pinsel und Isopropanol) vervollständigen das Bild.

Pastöser Gummi

Für einige Gelegenheiten gibt es flüssige Maskierfarbe. Verschiedene Farbenhersteller haben welche im Programm. Ein Problem ist häufig die kurze Haltbarkeit nach dem Öffnen der Flasche. Sehr gute Erfahrungen hingegen habe ich mit dem „Mr. Masking Sol Neo“ von Mr. Hobby gemacht. Auch nach etlichen Jahren funktioniert die Flüssigkeit noch wie am ersten Tag.

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Die Anwendung ist simpel, die Farbe hat eine Konsistenz ähnlich wie Joghurt und wird einfach auf die zu maskierenden Bereiche aufgetragen. Feiner als mit dem im Deckel befestigten Pinsel geht das mit einem Zahnstocher. So lassen sich auch die Bremserecken abdecken. Pinsel sind nicht zu empfehlen, das Material wird sehr schnell fest und setzt die Haare direkt zu. Nach einer Weile wird die Maske transparent und kann lackiert werden.

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Auch sehr kleine Flächen wie die Lichtleiter lassen sich mit der Masse gut abdecken. Allerdings kann es passieren, dass die Farbe etwas in die Ritzen einzieht und dann nur widerwillig wieder zu entfernen ist. Meist geht es mit dem Trick, dass man einen Klumpen angetrocknetes Material nimmt und damit nochmals auf den widerspenstigen Teil tippt. Der Kohleeinsatz ist schon mit Echtkohle beklebt, diese soll ihren Glanz behalten und der Bereich ist darum mit einigen Streifen Klebeband abgedeckt.

Keinesfalls sollte man die Maske über einen längeren Zeitraum auf dem Modell belassen. Irgendwann nach einigen Wochen wird sie doch sehr hart und lässt sich dann nur noch mit roher Gewalt vom Modell entfernen. Das wäre dann das Ende der Aufschrift an dem jeweiligen Wagen. Stunden und Tage sind hier allerdings problemlos, in meinem Fall lag der Wagen einige Monate in der Schachtel bis ich ihn wiederfand. Das Ergebnis findet sich in einem älteren Beitrag.

Generell gilt für alle Maskierungen: Abziehen solange die Farbe noch nicht durchgetrocknet ist! Zum einen besteht die Gefahr, dass sich obenliegende Farbschichten lösen, also die sich auf der Maske befinden, und dann am Modell hängen bleiben. Das ist nicht schön, sofern dieser Effekt nicht ausdrücklich gewünscht ist, beispielsweise zur Nachbildung von Lackschäden. Ansonsten kann man es mit einem Borstenpinsel meist retten. Zum anderen kann die Maskierung reißen und ist dann nur schwer wieder zu entfernen, ohne die Lackierung zu beschädigen. Bei dünnen Lagen mit der Air-Brush ist die Gefahr gering, bei Pinselarbeiten jedoch deutlich höher. 

Ist das alles?

Im Militärbereich werden gerne Kneten eingesetzt, um die Camouflage schnell zu maskieren. Dafür gibt es spezielle Maskierknete die keine Rückstände auf dem Modell hinterlässt. Bis dato hatte ich noch keine Gelegenheit zu testen, ob sich auch Anwendungen für die Modellbahn bieten. Ein klassisches Produkt ist die Maskierfolie, auch Maskierfilm genannt. Diese dünne Folie ist dafür gedacht, direkt auf dem Maluntergrund mit speziellen Messern geschnitten zu werden. Das kommt in unserem Bereich selten vor, wird aber im klassischen Airbrush sehr viel genutzt. Im Zweifel einfach mal einen Bogen mitbestellen und testen!

Manchmal tut es auch ein Streifen Karton, den man lose an das Modell hält, hier gilt es kreativ zu sein, um gelegentlich etwas Zeit zu sparen. Sehr häufig dauert das Maskieren deutlich länger als das eigentliche Lackieren. Dennoch lohnt sich der Aufwand, bestimmte Effekte sind auf andere Weise einfach nicht zu erzeugen. Darum immer schön mit Maske!

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